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Antisemitismus Kongress der Österreichischen Hochschüler_inneschaft im November 2018

Das Referat für Menschenrechte und Gesellschaftspolitik veranstaltet von 15. – 17. November 2018 einen Kongress zum Thema Antisemitismus im Hauptgebäude der Universität Wien.

Warum es diesen Kongress braucht

Da Universität und Leben von Studierenden nicht abgekoppelt von Gesellschaftspolitik gedacht werden können, ist es auch Aufgabe der Österreichischen Hochschüler_innenschaft sich mit allgemeinpolitischen Themen zu beschäftigen. Insbesondere in Zeiten wie diesen, die von einem allgemeinen Rechtsruck geprägt sind, deren Auswirkungen nicht zuletzt in der Beteiligung einer rechtsextremen Partei wie der FPÖ an der Regierung spürbar sind, ist es umso wichtiger die Gefahren von Ideologien der Ungleichheiten aufzuzeigen und ihnen entschlossen entgegenzutreten.

Eine spezielle Form einer solchen Ideologie ist der Antisemitismus. Dieser ist deswegen so schwer zu bekämpfen, weil er eine jahrhundertelange Kontinuität  aufweist. Die Art und Weise jedoch, wie sich Antisemitismus manifestiert variiert. Aktuell ist Antisemitismus häufig in „Israel-Kritik“ gewandet, die in ganz Europa und besonders bei einigen linken Gruppierungen en vogue ist, sich aber häufig ganz klassischer Stereotype bedient. Eine weitere und ganz offensive Art des Antisemitismus ist in islamistischen Ideologien zu finden, bei denen der Antisemitismus oft eine Art Kernelement bildet. In Europa und besonders auch in Österreich ist es der typische, aus dem rechten/rechtsextremen Eck kommende Antisemitismus, der am augenscheinlichsten ist.

Aktuell befinden sich antisemitische Ressentiments wieder im Aufschwung. Statistisch ist dies beispielsweise durch das Forum gegen Antisemitismus (FGA) belegt, dass seit 2014 eine rasante Zunahme von antisemitischen Vorfällen in Österreich, besonders in Wien vermerkt. So ist es mehr als besorgniserregend, dass die FPÖ bei der letzten Wahl mehr als 26 % bekam. Eine Partei, die sich offen zu ihren Wurzeln im sogenannten „Dritten Lager“ bekennt und deren antisemitische oder NS-verharmlosenden „Einzelfälle“ kaum noch zu zählen sind. In Umfragen zeigt sich auch kaum eine Minderung der Zustimmung zur FPÖ, obwohl die „Einzelfälle“ fortwährend und die Israelitische Kultusgemeinde die Zusammenarbeit mit der FPÖ boykottiert. Grund dafür ist die nicht glaubhafte Distanzierung von Antisemitismus.

Speziell im 19. und 20. Jahrhundert waren Universitäten immer Hochburgen und Vorläufer von antisemitischen Gedankengut, in der Zwischenkriegszeit kam es sogar zu antisemitisch motivierten Morden an der Universität. Auch heute kommt es an Universitäten und im akademischen Bereich immer wieder zu antisemitischen Vorfällen, wie beispielsweise vergangenes Jahr am Juridicum der Universität Wien. Des Weiteren gibt es immer wieder Veranstaltungen der antisemitischen Organisation BDS (Boykott, Desinvestment and Sanctions) an Universitäten, die jedoch in Österreich zum Glück noch nicht besonders groß ist. Grund dafür ist u.a. auch das Engagement der ÖH BV, im Oktober 2017 wurde beispielsweise eine Resolution gegen BDS beschlossen.

Diese besorgniserregenden Entwicklungen sind u.a. für uns als ÖH Grund für den geplanten Kongress, der die Denk- und Funktionsweisen von Antisemitismus dekonstruieren, sowie Handlungsstrategien gegen Antisemitismus aufzeigen soll.

Ziele

Der Kongress stellt ein Bildungsangebot an Studierende dar, da es wenig institutionalisierte Antisemitismusforschung gibt. Dabei soll sowohl historisch die Geschichte des Antisemitismus v.a. in Europa beleuchtet und der Shoah ein Schwerpunkt gewidmet werden. Auch theoretisch wird auf Funktionsweisen und Spezifika von Antisemitismus und antisemitischen Denkstrukturen eingegangen. Ein eigener Schwerpunkt wird zeitgenössischem Antisemitismus gewidmet.

Neben Aufklärung und Sensibilisierung werden auch Handlungsmöglichkeiten und -strategien erarbeitet bzw. aufgezeigt.

Das Programm soll einen niederschwelligen Zugang für Personen bieten, die zum ersten Mal in Kontakt mit der Thematik treten. Gleichzeitig soll es auch möglich sein, sich mit einzelnen Aspekten vertiefend zu beschäftigen.

Neben Vorträgen gibt es eine vielzahl an Workshops, in denen interaktives Arbeiten und Partizipation möglich ist. Sie ermöglichen selbstständiges Erarbeiten von neuem Wissen und das Eingehen auf den bereits vorhandenen Wissensstand der Teilnehmenden.

Als Abrundung und Abwechslung werden an zwei Abenden Podiumsdiskussionen stattfinden.

Um die Teilnahme für möglichst viele Studierende zu ermöglichen, wird der Kongress gratis und möglichst barrierereduziert zugänglich sein.

Die Teilnahme an dem Kongress ist für alle Studierende kostenlos, lediglich für die Workshops wird um Voranmeldung per Mail gebeten um die Planung zu erleichtern. Dabei ist die Teilnahme an einzelnen Programmpunkten sowie die Beteiligung an mehreren Vorträgen und Workshops möglich.